Wenn der Friseurbesuch zur Katastrophe wird

November 16, 2017
Bonjour ihr Lieben

Die Twitter- und Instagram-Follower unter euch wissen bestimmt, dass ich beim Friseur war und ich hatte fleißig auf meiner Insta-Story den Werdegang gepostet. Der Titel dieses Beitrags verrät bereits, dass letzten Endes das Ergebnis eher schlecht ist und die Begeisterung, nachdem ich zuhause war, zur Enttäuschung gemausert hat. Warum ich zum Friseur gegangen bin und wieso ich begeistert den Salon verlies und dann die Ernüchterung Tage später kam, schildere ich euch.

Ich wollte eine Veränderung. Eine ziemlich große Veränderung. Ballast ab lassen, denn meine Haare waren ungefähr 70cm lang und ziemlich schwer. Ich habe sehr dickes und fülliges Haar, was das Gewicht erklärt. Ich bekam in letzter Zeit sehr oft Kopfschmerzen sobald ich einen Pferdeschwanz oder einen Zopf hatte. Unpraktisch sind sie auch geworden. Egal in welcher Situation. Beim Bügel, Wäsche machen, Geschirrspüler einräumen, ausräumen, kochen, backen und sogar beim schlafen. Geschweige denn beim Duschen. Die Menge an Shampoo die man braucht und bis die Haare trocken sind. Es dauert immer ein Ewigkeit. Ich glaube die Langhaar-Trägerinen wissen von was ich spreche. Es hat mich einfach nur genervt. Sie sahen schön und gepflegt aus, aber dahinter steckte sehr viel Arbeit. Ich konnte und wollte das nicht mehr. Deswegen habe ich mich für eine kürzere Frisur entschieden.

Ich hatte mich vorab bei Pinterest schlau gemacht, um zu wissen was derzeit so im Trend ist und was nicht. Schließlich bin ich fündig geworden und habe die für mich ideale Haarlänge und Farbe gefunden. 

Gefunden auf Pinterest

Ich wollte genau diese Länge habe mit diskretem Farbverlauf à la Balayage. Das ist zurzeit der Trend schlecht hin und fast jeder Friseur kann das hinbekommen. Wenn er will. Ich habe dieses Foto auf meinem Smartphone gespeichert. Ich bin damit mit hoher Vorfreude  und Erwartungen auf meine Veränderung zum Friseur gegangen.

Ich bin zu einem Salon gegangen der erst im Sommer eine Neueröffnung gefeiert hatte. Damals war es nur ein Herrensalon und ein Bekannter des Besitzers hat eine Frauen Abteilung mit Beautyecke eröffnet. Ich hatte viele positive eindrücke über den Service usw im Internet gelesen, also dachte ich mir, warum nicht und entschloss mich dort hin zu gehen. Der Meister der Frauenabteilung postet regelmässig auf Facebook seine Kreationen und die Hygienemassnahmen auf der Internetseite haben mich letzten Endes überzeugt. 


Vorm Friseurbesuch


Ab zum Friseur 

Es war an einem Donnerstagmorgen um halb elf. Das Wetter war trocken und dennoch war die Luft feucht. Ein perfekter Bad Hair Day eben. Ich ging in den Salon hinein und wurde herzlich begrüßt und ich sagte, dass ich einen Termin fürs färben und schneiden hätte. Da rief die Frisörin ihr Kollege, nennen wir ihn mal Mister O., und schwups kam er aus einen Hinterzimmer heraus gehüpft und hatte mir beim Mantel ausziehen geholfen  und aufgehängt. Ich dachte mir: "Der Service ist schon mal nicht schlecht". Er wies mir einen Platz zu und ich habe mich hingesetzt. Nach ein bis zwei Minuten kam er, mit einer Schippe gewappnet, wieder zurück und fragte mich was ich gerne machen lassen möchte. Ich habe Mr. O. dementsprechend alles erklärt und zum Schluss das Foto gezeigt, dass ich auf Pinterest gefunden hatte. Ich hatte ihn noch zusätzlich gefragt, ob die Farbe auch zu meinem Typ passt und ich bekam als Antwort OK. Gut dachte ich mir. Dan weiß er ja was er tut. 

Ich hatte ihm ein ganz wichtiges Detail erzählt, dass ich meine Haare noch nie Blondiert habe. Es sei das erste mal für mich. Er meinte es sei kein Problem und prompt kam die Frage, ob er meine Veränderung filmen und fotografieren darf. Es sei für die Facebookseite des Salons. Ich dachte mir nichts dabei und habe ja gesagt. Schließlich dachte ich in dem Moment an meinem Blog und somit wäre es für mich auch ein bisschen Werbung gewesen. Heute denke ich, dass ich zum Glück nie nachgefragt habe, ob er meinen Blog in seinem Post erwähnen kann. Ich hätte es im Nachhinein in einem Kommentar geschrieben, aber heute denke ich: "Gut, dass ich es nicht gemacht habe". 

Und Plötzlich ging es los

Das A und O beim Frisör ist die Hygiene, oder irre ich mich schon wieder? Dies wurde auch wehäment auf der Internetseite beschrieben. Ich zitiere: "Sauberkeit und Reinheit aller Geräte und Utensilien die in einem Friseur-Salon vorzufinden sind, stehen bei Uns an erster Stelle." Sowas wie "Sauberkeit und Reinheit aller Geräte und Utensilien" habe ich dort nicht gesehen. Eine Haarbürste die bei mir benutzt wurde, ist mit meinen Haaren wieder in das kleine mobile Schränkchen verschwunden und ein weile später wurde, mit meinen noch zu befindenden Haaren in der Bürste, damit das Haar einer anderen Kundin gebürstet. Das selbe haben sie auch mit dem Rasierer gemacht. Er wurde nicht desinfiziert, weder gereinigt. Nein! Er wurde wieder zurück in die Aufladestation gesetzt und das mit vielen grauen Härchen. Später hat eine Kollegin das Gerät auf mehreren Kunden verwendet. Und ich dachte, dass Hygiene an erster Stelle sei. Dies war überhaupt nicht der Fall. Fehlanzeige!

Plötzlich standen mehrere Kollegen mit Handys hinter mir und wollten das Spektakel nicht verpassen wie Mr. O. meine 70 cm lange Haare auf 30cm kürzte. Es wurde fleissig gefilmt und fotografiert. In diesem Moment fragte ich mich , ob es wirklich so selten sei, dass so viel Haar abgeschnitten wird. Und ab waren die Haare. Die Haare so kurz schneiden zu lassen, ist für mich kein Drama. Was mir eher angst bereitet, ist das Färben und ich hätte an diesem Tag auf meine Gefühle hören sollen.


Vorm Schnitt
Quelle: Facebookseite des Salons

Zwischendurch beim Blondieren wurde eine kleine Pause eingelegt um zu filmen und zu fotografieren anstatt die Strähnen fertig zu färben. Ich wiederhole. Sie haben zu zweit meine Haar blondiert. Der eine hat die Folie festgehalten, ohne Handschuhe wohlgemerkt,  während der andere die Farbe drauf machte. Sie machten das mit einer Gelassenheit und langsamkeit, dass ich letzten Endes 5 stunden im Salon saß, wobei ich dachte es würde höchstens drei Stunden dauern bis ich fertig werde. Da hatte ich mich wohl ein kleines bisschen verschätzt. Zwischendurch wurde das Handy gezückt und die Messages gecheckt anstatt meine Strähnen zu machen. Handy ist ja wichtiger. Ein halbe Stunde nach Anfang haben die beiden noch nicht mal die Hälfte geschafft und die Folien fingen langsam an warm zu werden. Beide habe sich auf arabisch unterhalten, ich habe natürlicherweise überhaupt nichts verstanden was die da gequasselt haben. Sie fühlten die Folien, um zu wissen, ob sie warm sind oder nicht. So weit ich ihre Gesten verstanden hatte. Und ich hatte recht.


Nach dem Schnitt
Die Produkte die sie verwendet haben, konnte ich nicht erkennen. Aber eines war sicher, es kam aus großen fünf Liter Kanistern. Ich nehme mal an, dass es kein Olaplex war. 

Ich wurde nicht über Risiken und Nebenwirkungen über eine Blondierung aufgeklärt. Ich weiß nicht, ob es Pflicht ist oder nicht einen auf die Risiken einer Blondierung hinzuweisen. Falls es jemand von euch weiß, würde ich mich über einen Kommentar von euch freuen. 

Mir lief die Suppe auf's Gesichts

Plötzlich fing Mr. O's Assistent an die ersten Folien zu entfernen. Ohne Handschuhe!!! Er hat als erste die Folien entfernt und schließlich mir der nackten Hand das Produkt rausgezogen, was ein wenig schmerzhaft war, denn er zieht an meinen Haaren. Die Farbreste tat er in eine Schüssel während der andere fleissig die nächsten Strähnen färbte. Eins kann ich euch sagen, es hat weh getan. Ich dachte es sei normal das man das macht, aber im Nachhinein hatte ich gemerkt, dass es nicht so ist. Nach einer gewissen Zeit als nur noch ein paar Strähnen zum färben übrig  waren, mussten beide, mit deren fragwürdigen Methoden, plötzlich viele Folien entfernen. Zwischendurch wurden ein paar strähnchen gefärbt bis keine mehr übrig waren. 


Folien vorpräpariert
Quelle: Facebookseite des Salons
Als die letzten Folien entfernt werden mussten, kam der Assistent mit dem Lehrling, um sie zu entfernen. Unlogischerweise fingen sie von unten an. Der Lehrling musste die Oberen Folien festhalten damit der andere die unteren mit seiner ganz speziellen Foltermethode entfernen konnte. Und Plötzlich lief mir die Suppe auf's Gesichts und auf die Schürze. Direkt über meine linke Augenbraue und es fing an zu brennen wie verrückt. Zum Glück hatte ich meine Augen geschlossen, ansonsten währe es bestimmt schief gegangen. Mein Make-up war dahin, aber dafür war mein Auge noch gesund. Das Make-up war mir in diesem Moment vollkommen egal.  


Quelle: Facebookseite des Salons
Diese Prozedur hat ganze vier Stunden gedauert. Und das war nur die erste Farbe!!!

Brutaler geht's nicht

Die zweite Schicht hatte nicht so lange gedauert. Da war ich eine gute halbe Stunde lang am Waschbecken. Wie ihr wahrscheinlich wisst, sind diese Becken nicht unbedingt bequem. Ich hatte Nackenschmerzen bis ans Limit. Ich wollte einfach nur noch weg. Zudem ist die Handhabung des Assistenten brutal heftig gewesen. Eine Kopfmassage hatte er wohl mit heftiges reiben verwechselt. Sanft haare waschen geht anders mein lieber. Nachdem die Haarmaske eingewirkt hatte und ausgewaschen war, kam Mr. O. mit einem Faltbuch mit Haarfarben und fragte mich, ob ich lieber Naturblond haben möchte oder das silberne Blond. Ich dachte mir nichts dabei und hat mich für Natur entschieden und die Folter am Waschbecken ging weiter.


Quelle: Facebookseite des Salons
Dan kam das schneiden, föhnen usw. Mr. O hatte wieder Zeit für mich und hatte mir die Haare nach dem Waschen gebürstet. Was wiederum eine schmerzhafte Prozedur war. Plötzlich sah ich viele blonde Haare auf der Bürste und bei jedem kämmen mussten die Haare in der Bürste rausgezogen werden und waren nicht wenige Strähnen. Ich dachte wiederum es sei normal, dass ein paar Strähnen im Kamm sein werden, aber es wurden immer mehr und der Chef hatte sich auch keine sorgen gemacht und munter weiter gemacht. Beim bürsten hat er ein Muttermahl, den ich am Nacken habe, aufgespiesst und es hat geblutet. Ich fand das nicht schlimm, denn mir passiert das auch sehr oft. Aber trotzdem ist das was nicht passieren darf, denn er hat das Muttermahl schließlich gesehen. Zwischendurch wurde wieder fleißig gefilmt und fotografiert.

Quelle: Facebookseite des Salons
Das Handling der beiden war sehr brutal. Sie gingen nicht behutsam mit meinen Haaren um. Ganz im Gegenteil. Es wurde gezogen, gerupft und so weiter. Ich habe am Ende des Tages deswegen Kopfschmerzen bekommen und meine Kopfhaut tat wegen dem ziehen weh. Nicht wegen der Blondierung selbst. Es war das ziehen und frisieren der Haare die mir Kopfschmerzen bereitet haben.

Ich musste dafür exakt 150€ aufm Tisch legen. Ach ja, und nur Barzahlung möglich. Wer hat denn so viel Bargeld bei sich? Ich nicht. Ich wurde einmal ausgeraubt und seitdem habe ich höchstens 20€ im Geldbeutel. Glücklicherweise habe ich kein Trinkgeld gegeben, denn die Foltermethoden waren es nicht wert.


Bitter böse Überraschung


Den Salon habe ich zufrieden verlassen. Warum eigentlich? Meine Begeisterung wach sehr hoch als ich meine Veränderung gesehen habe. Ich war total Happy mal anders auszusehen. Ich war einfach nur zufrieden. Doch von Tag zu Tag gefiel mir die Farbe immer weniger.


Nachdem Friseurbesuch
Drei Tage später habe ich meine Haare das erste mal seit dem Salon besuch gewaschen. Das Waschen an sich war kein Problem, aber das was ich nach dem Trockenen entdeckt habe, war ein schock. Die weißen Strähnen waren zusammen geklebt und als ich mit der Brüste versucht habe sie zu trennen, sind sie einfach abgebrochen. 



Und das sind nur einige.

Ich weiss nicht, ob meine Erwartungen zu hoch waren oder die Frisur zu kompliziert für Mr. O war. Ich habe keine Ahnung, aber so schwer kann das doch nicht sein ein Balayage hinzukriegen oder doch? Immerhin hat er Fotos auf seiner Facebookseite gepostet die sowas ähnliches wie ein Balayage aussehen. 
Was die Länge betrifft, bin ich nicht nachtragend. Schließlich wachsen sie schnell wieder nach. Meine Haare wachsen wie Unkraut und ein kleines bisschen mehr als einen Zentimeter pro Monat. Ich hatte mehr Angst vorm kolorieren als vorm schneiden. Wenn ich so recht überlege, war meine Angst übers Haare färben letzten Endes berechtigt.


"Dieses war der erste Streich,
Doch der zweite folgt sogleich."
Zitat Max & Moritz von Wilhelm Busch


1 Kommentar:

  1. Ich glaube, wenn du so eine Frisur wie auf dem Bild willst, musst du dir schon einen echten Haarkünstler suchen. Gerade das Färben der Farbe weiß ist super kompliziert und ehrlich gesagt habe ich im wahren Leben noch keinen gesehen, bei dem ich gesagt hätte, dass sieht jetzt gut aus! Im Gegenteil.... Balayage ist echt eine Kunst und mit weiß eine echte Herausforderung, hätte mich jetzt auch überrascht, wenn dein Ergebnis wie auf dem Bild geworden wäre.

    Ich hab mich damit schon mit dem ganz einfachen Ombré Verlauf nur in die Spitze in die Nesseln gesetzt und hatte nach meinem Friseurbesuch auch nur einen kupferfarbigen Streifen in den Haaren, auch dafür würd ich nicht mehr einfach nur zu einem Friseur gehen, sondern einen echten Spezialisten in dem Gebiet aufsuchen ^^

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